Montag, 11. August 2008

Kommentar

Hinter Gittern
Eisbären lieber im ewigen Eis?

Kann ein Eisbär im Zoo glücklich sein? Es ist wohl eher der Zoo, der durch den Eisbären glücklich ist. Denn so ein „süßer kleiner Zottel“ namens Knut oder Flocke ist ein Publikumsmagnet, der so einiges an Geld einbringt. Und selbst wenn er mal groß ist bleibt er doch knuddelig und süß anzuschauen; ein Sympathieträger in jedem Zoo eben. Zu viele unwissende Zoobesucher denken dabei anscheinend nicht an das Tier oder ignorieren die auftretenden Schuldgefühle einfach.
Ein Eisbär legt in der Wildnis kilometerlange Strecken zurück. Ist es also fair ihn auf einer Fläche gefangen zu halten, die nur einen millionsten Teil der Fläche ausmacht, die seinem natürlichen Aktionsradius entspricht? Ist es fair ihn einzusperren, so dass Kinder und Erwachsene rufen können: „Ach wie süß!“? Ist es fair ihn hinter Gittern zu halten, damit wir die Tiere nicht nur aus dem Fernsehen kennen?
Zoobesitzer und Forscher verteidigen sich: Die Eisbären im Zoo weisen auf die Klimaerwärmung hin, die den Tieren ihren natürlichen Lebensraum wegnimmt. Aber ist es fair einige der weißen Riesen symbolisch für die Gesamtheit leiden zu lassen? Und leiden tun sie. Wie britische Wissenschaftler herausfanden sind es gerade die Eisbären, die in Gefangenschaft am meisten leiden.
Nun ist es ja nicht so, dass Zoos ihren Tieren absichtlich Schlechtes tun. Sie errichten möglichst große Gehege und versuchen sie z.B. durch eine erschwerte Futtersuche zu beschäftigen und möglichst artgerecht zu halten. Jedoch wird ein Gehege einem Raubtier nicht gerecht. Zur Folge entwickeln sie oft Stereotypien wie immer gleiche Bewegungsabläufe, etwa pausenloses Hin- und Herlaufen oder Schwenken mit dem Kopf. Tierschützer wissen, dass die meisten Tiere sich von den Besuchermassen gestört fühlen. Einige Eisbären werden aggressiv, verstümmeln sich selbst oder töten sogar ihre Artgenossen, wie der traurige Vorfall im Nürnberger Zoo zeigt. Außerdem gehören sie zu den Tieren mit der höchsten Sterblichkeitsrate in Zoos.
Da gibt es noch das Argument des Artenschutzes. Viele Tiere werden in Zoos gehalten damit sie überleben können, denn in ihrem natürlich Lebensraum drohen sie auszusterben. Doch dies trifft auf die Eisbären gar nicht zu. In der Arktis tapsen heute noch ca. 20000 bis 25000 der weißen Bären umher.
Der Mensch stellt also sein eigenes Glück über die Bedürfnisse der Eisbären. Ein Tier sollte so respektvoll behandelt werden wie möglich. Und wäre es nicht besser die weißen Bären mit den Knopfaugen in der freien Wildbahn zu schützen, anstatt sei unter fadenscheinigen Begründungen hinter Gittern zu begaffen?

1 Kommentar:

Anonym hat gesagt…

Ach ja, die Eisbär-Kommentare! Irgendwie hat die jeder in seinem Blog! :-) Ich auch...
Caro D.