Ein Cowgirl zwischen Leichen und Comedy
Hauptsache anders – das ist das Motto der 28-jährigen Studentin Julia R..
Ich treffe sie in der Uni. Sie studiert Medienkommunikation und Journalismus. Gar nicht so außergewöhnlich. Außergewöhnlich aber schon ihre Erscheinung. Mit gerade mal 1,60m schlurft sie mit Cowboystiefeln und Jeans durch die Flure, so dass Vorübergehende erstaunte Blicke wechseln. Wieso nicht nach der Mode kleiden? „Nur tote Fische schwimmen mit dem Strom“. Das ist ihre Antwort auf alle Fragen.
Ich treffe sie am Reitstall. Ähnliche Klamottenwahl, hier jedoch nicht außergewöhnlich. Außergewöhnlich aber ihr Reitstil. Mit kurzen Beinen auf ihrem großen Pferd, auf dem Kopf einen Cowboyhut und eine Hand lässig an der Seite hängend reitet sie Western. Ein Rind wird in den Ring gelassen und jetzt geht es schnell. Julia wirft das Lasso, fängt das Rind, springt vom noch galoppierenden Pferd, rennt zum Rind und fesselt es. 13 Sekunden später ist es schon vorbei. 12,3 Sekunden ist ihr persönlicher Rekord, damit wurde sie deutsche Vizemeisterin im Calf Roping. Laut und rau und schnell geht es bei diesen Veranstaltungen zu. Als Zuschauer steht sie in der ersten Reihe. „Go! Go! Go!” Schreie hallen durch die Halle und Julia ist die Lauteste. Hauptsache auffällig und sie tut was sie will. Peinlich? „Gibt’s nicht! Wieso auch, ich bin ich und ich bin nun mal so. Wer das nicht akzeptiert, hat Pech gehabt“.
Warum aber soll sie nur ein außergewöhnliches Hobby haben, wenn es auch außergewöhnliche Jobs gibt? Nach 2 Jahren Medizinstudium und dem ersten Staatsexamen in Notfallmedizin hat sie sich nebenbei zur Sektionsassistentin in der Gerichtsmedizin ausbilden lassen. Heute schneidet sie noch nebenbei Leichen auf. Schwarzer Humor hilft ihr, den Job nicht zu nah an sich heranzulassen.
Übrigens ein weiteres Hobby und manchmal auch Nebenjob – Stand-up Comedy. Auch hier gilt selbstverständlich: Ihren Humor versteht nicht jeder. Über Imitationen von Jean Pütz, Marcel Reich-Ranitcki, Al Pacino, Arnold Schwarzenegger lachen viele, über Imitationen des „Führers“ kann nicht jeder lachen. Sie tut es: lachen und imitieren. Selbst wenn ihr Publikum sich lachend auf dem Boden rollt, verzieht sie keine Miene. Schauspielunterricht und ihr Talent, sich nicht von anderen anstecken zu lassen, sind hilfreich.
Und um ihre Hobbies auch noch zu verbinden, bringt sie anderen den realistischen Schauspieltod bei und regt sich herrlich über unrealistisch gespielte Tode im Fernsehen, genauso wie über unrealistische Arztserien auf – und guckt sie trotzdem.
Vielseitig und außergewöhnlich. Warum? „Ich wollte schon immer möglichst anders sein und etwas anderes machen als alle anderen!“

3 Kommentare:
Ich glaube, die kenne ich.
das portrait ist mit so viel witz geschrieben, dass ich mich vor lachen wegschmeißen könnte! sehr gelungen!
hey, dieses portrait hat mir echt besonders gut gefallen. haste gut gemacht :-P
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